Die Erfindung des Schiffscontainers

(Bild: Sebastian Nagel)

Startschuss für die Globalisierung

In diesem Blog sehen wir uns die Erfindung des Containers an und erfahren, wie er den Gütertransport entscheidend verändert hat.

Die Erfindung, Verbreitung und Normierung ermöglichte es, Waren erschwinglicher um die Erde zu schicken.

Der rechteckige Kasten hat unsere Welt entscheidend verändert. Wir schauen uns an, wieso.

 

Der Container

Jeder kennt die Container, die an kleinen Häfen oder riesigen Umschlaghäfen stehen. Auf Containerschiffen überragen sie die Kommandobrücke und auf Güterzügen reihen sie sich zu nicht endenden Ketten aneinander. Meist in grün, blau, rot, orange oder silber. Gestapelt wie riesige Legoklötze.

In dieser Fähigkeit, sie zu stapeln, liegt das Erfolgsgeheimnis der Container. Man weiß, wie viel Platz sie beanspruchen werden und man kann alle Transportmittel auf deren Umfang abpassen. Die Seitenwände sind gewellt, wodurch sie stabiler werden und mehr Gewicht von oben trotzen.

Es gibt sie nur in wenigen Variationen: Tank-, Kühl-, Isolier-, Open-Top- und High-Cube-Container. Darin bekommen wir alles unter, was wir zum Leben brauchen, außer natürlich Waren, die größer sind. Container gibt es zur Zeit etwa 30 Millionen, erfahren wir auf SRF.ch.

Wie sah die Welt ohne Container aus? Güter auf Frachtschiffe zu verladen war mühsam, langwierig und arbeitsintensiv. Man verlud alles einzeln. Man brachte die Waren zunächst an die Docks, von dort wurde jedes Paket, jeder Sack und jedes Fass von einem oder mehreren Arbeitern geschultert und über einen wackeligen Steg an Bord gehievt. Teilweise dauerte es 10 Tage, einen Frachter zu beladen.

Das Schiff nach der Ankunft wieder zu entladen, zu löschen, dauerte nochmals 10 Tage. Das bedeutete einen enormen Kostenaufwand. Denn in dieser Zeit lag das Schiff still und untätig rum. Hinzu kamen Liegegebühren und Kosten für Hafenarbeiter.

So sah die Welt bis dahin aus. Daher wurde auch nicht so viel verschifft wie heute. Es lohnte sich kaum. Nur Waren, die besonders begehrt waren und im eigenen Land nicht produziert werden konnten, waren lohnenswert. Kaffee und Zucker, zum Beispiel für uns Europäer.

Gar nicht mehr leicht vorstellbar. Doch alle alltäglichen Dinge, die wir damals in Gebrauch hatten, kamen aus der Region. Obst und Gemüse kamen von Bauern oder vom Markt. Sicher gab es dazwischen auch mal exotische Dinge wie Bananen oder Orangen, nur waren die viel teurer als heutzutage. Kleider kamen vom Schneider. Elektrogeräte trugen überwiegend deutsche Namen wie Grundig, Blaupunkt oder Siemens. Und diese Welt ist gerade einmal 70 Jahre entfernt!

Die Erfindung des Containers ermöglichte es, die Verladeprozesse der Schiffsfrachter enorm zu beschleunigen. Was sich zuvor über mehrere Tage hinzog, konnte plötzlich in wenigen Stunden erledigt werden. Kräne, LKWs und Züge wurden auf das Maß der Container gestutzt.

Die Kosten konnten so minimiert werden. Es lohnte sich bald, Waren aus dem Ausland zu importieren, weil sie im Einkauf günstiger waren. Auch Produktionsstätten konnten in günstigere Regionen verlagert werden. Unsere Welt veränderte sich. Die Globalisierung begann in vollem Maße. Jetzt steht unter beinahe allem, was wir benutzen: Made in China oder in Taiwan.

Ohne die Container wäre der Warentransport, so wie er heute weltweit läuft, nicht denkbar.

 

Die Erfindung des Containers

Wer war der Erfinder? Der Erfinder des Containers, der oft auch der Vater des Containers genannt wird, heißt Malcolm McLean und kommt aus den USA. Mit seinen Geschwistern gründete er eine Spedition. Es gab jedoch einige Dinge, die ihn störten.

Was war das Problem? McLean störte sich daran, wie langsam die Waren verladen wurden. Alles wurde einzeln gepackt, geschleppt und abgesetzt. Wie bereits erwähnt, ein enormer Zeit- und Arbeitsaufwand. Statt durch all diese Zwischenschritte gelähmt zu werden, träumte McLean davon, alles in einen Container zu packen und mit einem Krahn immer nur den Container umzuladen.

Was war die Lösung? Die Idee war da und mit ihr die Lösung des Problems. Theoretisch. So recht ließ sich niemand von dieser Idee überzeugen. Investoren fand McLean keine.

20 Jahre lang ruhte die Idee. Dann nahm McLean die Sache selbst in die Hand. Seine Spedition war bis dahin ordentlich gewachsen, warf gute Profite ab, so dass er sie gewinnbringend verkaufen konnte.

Von dem Erlös kaufte er sich 1955 eine eigene Reederei, die er Sealand nannte und gleich zwei Schiffe mit dazu; zwei ausrangierte Kriegsschiffe der Marine. Diese zwei Schiffe würden zwar keinen Krieg mehr führen, hatten aber noch genug Kraft, die Welt des Gütertransports entscheidend zu verändern. McLean ließ sie zu den weltweit ersten Containerschiffen umrüsten, erfahren wir auf Zukunft Mobilität.

Was ergab sich daraus? Den ersten Einsatz fuhr eines der Schiffe 1956, beladen mit einigen Containern von New Jersey nach Houston in Texas. Diese Fahrt gilt als Startschuss der Globalisierung, so wie wir sie heute kennen.

Erst 10 Jahre später 1966 kam das erste Containerschiff nach Europa. Entladen wurde es in Rotterdam. Heute der größte Containerhafen Europas. Begeistert von dieser Innovation, bestellten europäische Reeder Containerschiffe mit bis zu 750 Stellplätzen.

Auch Asien ging bei dem Trend mit. Dort gründeten sich Reedereien, die es heute noch gibt wie Orient Overseas Container Line und Evergreen. Sie liefen der Gründernation bald den Rang ab. Heutzutage sind es vor allem namhafte europäische Großreedereien, die den Markt dominieren: Maersk und Hapag-Lloyd und weiterhin einige asiatische wie Evergreen und Cosco.

Die Entwicklung lief in die Richtung weiter, dass die Transportkosten immer weiter verringert werden konnten, gleichzeitig aber die Transportkapazitäten wuchsen. In der Anfangszeit schaffte es ein Frachter, 226 Container zu verstauen. Inzwischen bekommen Containerschiffe unfassbare 24.000 Container unter.

Für seine Erfindung kam McLean 2004 in die Logistic Hall of Fame. Vom Erfinder bleibt seine Erfindung, der Platz in der Logistic Hall of Fame und ein winziges Überbleibsel in der dänischen Reederei Maersk. An die wurde Sealand 1999 verkauft. Bis 2006 stand sogar noch Maersk-Sealand auf den Containern. 

Die Erfindung der Container war eine Großtat. Doch wäre sie nicht so groß geworden, wären die Container nicht irgendwann auf dieselbe Größe gestutzt worden.

 

ISO-Norm für die Container

1961 wurde beschlossen, eine ISO-Norm festzusetzen für die Container.

Die Maße des Erfolgs: Man unterscheidet grundsätzlich zwei Container: den 20-Fuß- und den 40-Fuß- Container. Ersterer ist 6,06m lang, 2,44m breit und 2,59m hoch. Immer, überall! So kann man sie perfekt übereinander stapeln. Man weiß, wie viel Platz sie in Anspruch nehmen werden, noch bevor sie da sind. Der 40-Fuß-Container ist exakt so breit und hoch wie der 20-Fuß und knapp doppelt so lang: 12,19m, erfahren wir durch den  Logistik Kanal.

Seit der Erfindung sind Züge, Schiffe und Kräne nach dem Vorbild der Container gewachsen. Das alles ging natürlich nur mit einer festgesetzten Norm. Nur so ließen sich die Ladeflächen anpassen.

Diese Norm passt so sehr in unsere moderne Welt, dass wir auch nicht abgeneigt sind, darin zu wohnen: Längst werden beide Typen 20-Fuß- und 40-Fuß-Container zum Wohnen angeboten, erfahren wir auf GQ-magazin.de. Der Kleinere bietet damit eine Wohnfläche von 13,87 m² und der Große 28,27 m². Nicht viel, aber es reicht zum Wohnen.

 

Fazit

Dieser rechteckige Block hat unsere Welt ordentlich ins Wanken gebracht, dabei bleibt darin alles sicher und geschützt.

Dessen Erfindung hat der Transportwelt ein bedeutendes Stück nach vorne verholfen. Der Container gehört zum Landschaftsbild unserer Industrienation.

Seit es ihn gibt, geht alles schneller, günstiger und höher.

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